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Montag, 20. Oktober 2014

Ein Besuch bei "Taimetoitlane" Therese in Estland

Estland? Wo ist das nochmal? Ach ja, irgendwo bei Russland neben Litauen und Lettland oder? -  Wahrscheinlich wissen die meisten von euch nicht viel über das kleine Land mit der komplizierten Sprache. (Estnisch ist nur mit Finnisch verwandt und für uns ist es ein Alptraum die Sprache zu lernen ;)).

Vor einigen Wochen durfte ich jedoch dieses schöne Land besuchen und auch eine junge Veganerin aus Estland kennenlernen. Und nachdem ich bereits vor etwa zwei Monaten Alina nach einem Interview gefragt habe, hat sich auch Therese schnell dazu bereiterklärt. Sie erzählt euch heute etwas über ihr Heimatland, ihre Reisen und wie sie Veganerin wurde.

Zuerst findet ihr die Orginalversion (Englisch), wer das Interview lieber auf Deutsch lesen möchte, muss einfach nur ein wenig nach unten scrollen.

Viel Spaß beim Lesen und vielen lieben Dank an Therese :)

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English Version

Dear Therese, nice to meet you! You live in Tartu, the second largest city in Estonia. Have you always lived here?
No, I'm originally from the biggest island in Estonia which is called Hiiumaa.

You’re vegan as well, but before you have been vegetarian for 5 years. In Germany and Switzerland you’ll find a lot vegans and vegetarians and you lived in these countries for a certain time. Were these people catalysts for you? Or why did you decide to go vegan after being such a long time vegetarian?
I was vegetarian about 5 years before going vegan. It was quite gradual but very definite decision for me. Here played all the possible reasons a role: starting with ethical and environmental side of it and finishing with health related personal food intolerance.
Living in Germany and Switzerland definitely triggered my decision to leave consuming animal products behind. As it is also quite easy to find vegan friendly products over there.

Do you think veganism or vegetarianism is common in Estonia? How do the people in a restaurant react if you ask for a vegan dish. Do they know the word?
Well, I think there will be more and more of us every day. Though generally, people's concept about non-meat eaters is a bit fuzzy as meat and milk products is “culturally” so popular, some believe there isn't a “real” dish without any animal products. Sometimes it can be tricky eating vegan in a restaurant or a bar as there is sometimes even a simple salad made with mayonese. You need to know where you go and need to ask what do they really have as ingredients. They mix up vegans, vegetarians and raw vegans as there is pretty much only one word for all three: “Taimetoitlane” (lit. plant-eater).

How would you describe the people in Estonia? What do you like most about Estonia?
Estonians are quite typical northeners being a bit shy and reserved. Saying that, they don't have any complexes about their bodies, because they go naked into mixed-sauna and swimming in forest-lakes. Though once you make friends with them they are reliable and trustworthy.

Do you have a favourite place in Estonia?
Hiiumaa obviously! I love the sea, forest and peace which in no-where else found in such perfectness.

Do you also like travelling? If so, do you remember an experience you will never forget?
Various hitchhiking trips in middle and southern Europe have been very special. Losing yourself in timelessness. Just standing by the road or being just some random place you've just been brought to some friendly locals seeing places you wouldn't ever see travelling by bus or train.

Do you have any advice you would like to give to other travelers in Estonia?
In Tartu it is a bit complicated to find some pure vegan places. But I would recommend Asian Chef (http://www.asianchef.ee/1/?lang=en) and Vilde Tervisekohvik (http://www.tervisekohvik.ee/eng/). In Tallinn there are various places but the best is Vegan restaurant V (http://veganrestoran.ee)

Thank you very much for your time!


Deutsche Version

Hallo Therese, schön dich kennenzulernen. Du wohnst in Tartu, der zweitgrößten Stadt Estlands. Wohnst du schon immer hier? 
Nein, ursprünglich komme ich aus einer der größten Inseln Estlands, nämlich von der Insel Hiiumaa.

Du bist auch Veganerin, warst aber 5 Jahre Vegetarierin. In Deutschland und der Schweiz gibt es ja so einige Veganer und Vegetarier. Da du bereits für einige Zeit in diesen Ländern gewohnt hast: Bist du dadurch zum Veganismus gekommen? Beziehungsweise wieso hast du dich nach so langer Zeit als Vegetarierin doch dazu entschieden Veganerin zu werden? 
Ja, ich war etwa 5 Jahre Vegetarierin bevor ich vegan wurde. Das war eine allmähliche, aber eindeutige Entscheidung für mich. Die Gründe waren vielfältig: Angefangen von den ethischen und ökologischen Gründen  bis zu den gesundheitlichen Gründen, die auch Allergien meinerseits einschließen.
Dass ich in Deutschland und der Schweiz gewohnt habe, hat mich definitiv beeinflusst. Dort ist es ziemlich einfach vegane Produkte zu finden.

Denkst du, dass vegane bzw. vegetarische Ernährung in Estland weit verbreitet ist? Wenn du in einem Restaurant nach einem veganen Gericht fragst, wissen die Leute was „vegan“ heißt? 
Ich denke, es wird immer mehr und mehr von uns geben. Aber generell: Das Konzept von Vegetariern und Veganern ist eher unbekannt, da Fleisch und Milch "kulturell bedingt" so beliebt sind, dass einige Menschen denken, dass es kein "echtes" Gericht ohne tierische Produkte gibt. Manchmal ist es kniffelig vegan in einem Restaurant oder ein Bar zu essen, da manchmal selbst Salat mit tierischer Majonaise zubereitet wird. Du musst also wissen, wohin du gehen kannst und du musst nach allen Zutaten fragen. Die Menschen verwechseln Veganer, Vegetarier und Rohveganer leicht, da es nur ein Wort für alle drei gibt: "Taimetoitlane" (wörtlich Pflanzenfresser).

Wie würdest du die Menschen in Estland beschreiben? Was gefällt dir an Estland am besten? 
Esten sind typisch nordisch: ein bisschen schüchtern und reserviert. Dennoch haben sie keine Komplexe im Bezug auf ihren Körper, da sie nackt in eine gemischte Saune gehen oder in Seen schwimmen. Und wenn du sie erstmal näher kennenlernst, sind sie zuverlässig und vertrauenswürdig.

Hast du einen Lieblingsort in Estland? 
Natürlich Hiiumaa! Ich liebe das Meer, den Wald und den Frieden, den man nirgends in dieser Perfektion finden kann.

Reist du selbst auch gerne? Wenn ja, gibt es ein Reiseerlebnis, was dir sicher noch sehr lange im Gedächtnis bleibt? 
Zahlreiche Hitchhiking Trips in Mittel- und Südeuropa waren sehr besonders. Sich selbst verlieren in Zeitlosigkeit. Einfach an der Straße stehen oder an einem Ort sein, wo ein netter Einheimischer mich hingebracht hat und den ich mit Bus und Bahn nie sehen würde.

Einen Tipp, den du Reisenden in Estland geben möchtest? 
In Tartu ist es ein wenig kompliziert ein komplett veganes Restaurant/Café zu finden. Aber ich würde Asian Chef (http://www.asianchef.ee/1/?lang=en) und Vilde Tervisekohvik (http://www.tervisekohvik.ee/eng/) empfehlen. In Tallinn gibt es verschiedene Orte, aber der beste ist das vegane Restaurant V: (http://veganrestoran.ee/)

Therese (22) aus Estland
(Auf diesem Foto rettet sie gerade einen Frosch,
der geradewegs in Richtung Straße unterwegs war.)

Sonntag, 24. August 2014

Und dann hat er eine Banane aus dem Autofenster gehalten

Ich lese selbst immer lieber persönliche Erlebnisse statt trockene Reiseführer ohne persönliche Note. Daher kam mir einiger Zeit die Idee Interviews für meinen Blog durchzuführen. Diese sollen natürlich passend zum Thema sein, daher stelle ich Fragen an Veganer oder Vegetarier. Zum einen an Veganer, die gerade auf Reisen sind und etwas über ihre Erlebnisse berichten und zum anderen an Veganer, die im Ausland wohnen und somit nochmal einen anderen Blick auf das Land haben.

Beginnen möchte ich heute mit einem Interview mit der deutschen Studentin Alina, die zwei Wochen in Italien verbracht hat und dort verschiedene Orte kennengelernt hat. Vielen lieben Dank Alina :)

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Hallo Alina, schön, dass du dir Zeit für das Interview nimmst :) Du bist zwei Wochen durch Italien gereist und hast viele verschiedene Menschen kennengelernt. Wie würdest du die Italiener beschreiben?
Die Italiener sind sehr offenherzig, total hilfsbereit, gastfreundlich und super lieb :) Es war wirklich toll, überall so herzlich aufgenommen zu werden!

Was gefällt dir an Italien am besten?
Ich liebe die Menschen, die lockere Einstellung der Süditaliener, die Atmosphäre und die atemberaubende Schönheit der Natur!

Hast du einen Lieblingsort in Italien den du anderen Reisenden empfehlen würdest? Wenn ja, welchen und wieso?
Jaaaaa, Polignano hat mir super gut gefallen, ich war wirklich überwältigt von diesem schönen Ort und dem kleinen Steinstrand zwischen den Felsen, den kleinen Höhlen überall und der paradiesischen Landschaft! Außerdem ist der Gargano Nationalpark wirklich wunderschön, man sollte nur mit dem Auto unterwegs sein, weil man zu den schönsten Stellen leider sonst nicht so gut hinkommt. Und Fahrrad fahren kann echt zu einer sportlichen Aktivität werden, die sehr viel Kraft und Ausdauer erfordert =D Auch der Vesuvio mit seiner tollen Aussicht und die Amalfi Wasserfälle sind absolut sehenswert!

Gibt es ein Reiseerlebnis, was dir sicher noch sehr lange im Gedächtnis bleiben wird?
Jaaaa, als wir in Manfredonia ankamen, haben wir so einen süßen Opi nach dem Weg gefragt, weil wir nicht wussten, wie wir vom Bahnhof zur Wohnung unseres Couchsurfing-Gastgebers kommen, und statt uns die ungefähre Richtung zu zeigen, ist er kurzerhand mit uns gekommen und hat uns bis zur Haustür geführt, weil er sichergehen wollte, dass wir den Weg auch finden. Als wir festgestellt haben, dass keiner da ist (weil wir unglücklicherweise bei dem Haus daneben geklopft haben), kam er sogar nochmal zurück und wollte uns weiterhelfen und hat sein Handy ausgepackt, der war richtig lieb :) Und danach auf dem Weg zum Strand hat einer eine Banane aus seinem Autofenster gehalten und sie uns angeboten, wir müssen sehr hungrig ausgesehen haben =D
Das nur stellvertretend für die Hilfsbereitschaft, Fürsorge und Gastfreundlichkeit der Italiener. Mir wird diese ganze Reise mit ihren wunderbaren Erfahrungen, tollen Erlebnissen, der paradiesischen Landschaft und den netten Menschen und Gesprächen immer im Gedächtnis bleiben!

Du bist auch Veganerin. Seit wann bist du Veganerin und wie bist du darauf gekommen?
Ich ernähre mich seit dem 1. Januar 2013 vegan, das war also der gute Vorsatz für's neue Jahr =p Ich habe mich schon länger mit dem Thema beschäftigt, habe auch viel vegan gegessen und gekocht und irgendwann beschlossen, dass ich mich ausschließlich vegan ernähren möchte. Ich wollte im neuen Jahr dann vegan fasten und habe es beibehalten, weil es mir überhaupt nicht schwer fiel und es sich gut angefühlt hat, und jetzt kann ich mir nichts anderes mehr für mich vorstellen.

War es für dich schwer dich auf deiner Reise vegan zu ernähren?
Nein, eigentlich nicht, man muss sich nur an die Siesta Time und die geschlossenen Supermärkte gewöhnen und zur richtigen Zeit einkaufen gehen =D Natürlich war es nicht so leicht, wie zu Hause, weil ich hier schon meine Standard-Produkte kaufe und weiß, in welche Restaurants ich gehen kann, man muss sich da natürlich immer wieder neu dran gewöhnen.

Hast du noch einen Tipp den du anderen veganen Reisenden geben würdest?
Hmmm, kümmert euch rechtzeitig um die Unterkunft =D

Alina (20) reiste 2 Wochen durch Italien