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Montag, 20. Oktober 2014

Ein Besuch bei "Taimetoitlane" Therese in Estland

Estland? Wo ist das nochmal? Ach ja, irgendwo bei Russland neben Litauen und Lettland oder? -  Wahrscheinlich wissen die meisten von euch nicht viel über das kleine Land mit der komplizierten Sprache. (Estnisch ist nur mit Finnisch verwandt und für uns ist es ein Alptraum die Sprache zu lernen ;)).

Vor einigen Wochen durfte ich jedoch dieses schöne Land besuchen und auch eine junge Veganerin aus Estland kennenlernen. Und nachdem ich bereits vor etwa zwei Monaten Alina nach einem Interview gefragt habe, hat sich auch Therese schnell dazu bereiterklärt. Sie erzählt euch heute etwas über ihr Heimatland, ihre Reisen und wie sie Veganerin wurde.

Zuerst findet ihr die Orginalversion (Englisch), wer das Interview lieber auf Deutsch lesen möchte, muss einfach nur ein wenig nach unten scrollen.

Viel Spaß beim Lesen und vielen lieben Dank an Therese :)

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English Version

Dear Therese, nice to meet you! You live in Tartu, the second largest city in Estonia. Have you always lived here?
No, I'm originally from the biggest island in Estonia which is called Hiiumaa.

You’re vegan as well, but before you have been vegetarian for 5 years. In Germany and Switzerland you’ll find a lot vegans and vegetarians and you lived in these countries for a certain time. Were these people catalysts for you? Or why did you decide to go vegan after being such a long time vegetarian?
I was vegetarian about 5 years before going vegan. It was quite gradual but very definite decision for me. Here played all the possible reasons a role: starting with ethical and environmental side of it and finishing with health related personal food intolerance.
Living in Germany and Switzerland definitely triggered my decision to leave consuming animal products behind. As it is also quite easy to find vegan friendly products over there.

Do you think veganism or vegetarianism is common in Estonia? How do the people in a restaurant react if you ask for a vegan dish. Do they know the word?
Well, I think there will be more and more of us every day. Though generally, people's concept about non-meat eaters is a bit fuzzy as meat and milk products is “culturally” so popular, some believe there isn't a “real” dish without any animal products. Sometimes it can be tricky eating vegan in a restaurant or a bar as there is sometimes even a simple salad made with mayonese. You need to know where you go and need to ask what do they really have as ingredients. They mix up vegans, vegetarians and raw vegans as there is pretty much only one word for all three: “Taimetoitlane” (lit. plant-eater).

How would you describe the people in Estonia? What do you like most about Estonia?
Estonians are quite typical northeners being a bit shy and reserved. Saying that, they don't have any complexes about their bodies, because they go naked into mixed-sauna and swimming in forest-lakes. Though once you make friends with them they are reliable and trustworthy.

Do you have a favourite place in Estonia?
Hiiumaa obviously! I love the sea, forest and peace which in no-where else found in such perfectness.

Do you also like travelling? If so, do you remember an experience you will never forget?
Various hitchhiking trips in middle and southern Europe have been very special. Losing yourself in timelessness. Just standing by the road or being just some random place you've just been brought to some friendly locals seeing places you wouldn't ever see travelling by bus or train.

Do you have any advice you would like to give to other travelers in Estonia?
In Tartu it is a bit complicated to find some pure vegan places. But I would recommend Asian Chef (http://www.asianchef.ee/1/?lang=en) and Vilde Tervisekohvik (http://www.tervisekohvik.ee/eng/). In Tallinn there are various places but the best is Vegan restaurant V (http://veganrestoran.ee)

Thank you very much for your time!


Deutsche Version

Hallo Therese, schön dich kennenzulernen. Du wohnst in Tartu, der zweitgrößten Stadt Estlands. Wohnst du schon immer hier? 
Nein, ursprünglich komme ich aus einer der größten Inseln Estlands, nämlich von der Insel Hiiumaa.

Du bist auch Veganerin, warst aber 5 Jahre Vegetarierin. In Deutschland und der Schweiz gibt es ja so einige Veganer und Vegetarier. Da du bereits für einige Zeit in diesen Ländern gewohnt hast: Bist du dadurch zum Veganismus gekommen? Beziehungsweise wieso hast du dich nach so langer Zeit als Vegetarierin doch dazu entschieden Veganerin zu werden? 
Ja, ich war etwa 5 Jahre Vegetarierin bevor ich vegan wurde. Das war eine allmähliche, aber eindeutige Entscheidung für mich. Die Gründe waren vielfältig: Angefangen von den ethischen und ökologischen Gründen  bis zu den gesundheitlichen Gründen, die auch Allergien meinerseits einschließen.
Dass ich in Deutschland und der Schweiz gewohnt habe, hat mich definitiv beeinflusst. Dort ist es ziemlich einfach vegane Produkte zu finden.

Denkst du, dass vegane bzw. vegetarische Ernährung in Estland weit verbreitet ist? Wenn du in einem Restaurant nach einem veganen Gericht fragst, wissen die Leute was „vegan“ heißt? 
Ich denke, es wird immer mehr und mehr von uns geben. Aber generell: Das Konzept von Vegetariern und Veganern ist eher unbekannt, da Fleisch und Milch "kulturell bedingt" so beliebt sind, dass einige Menschen denken, dass es kein "echtes" Gericht ohne tierische Produkte gibt. Manchmal ist es kniffelig vegan in einem Restaurant oder ein Bar zu essen, da manchmal selbst Salat mit tierischer Majonaise zubereitet wird. Du musst also wissen, wohin du gehen kannst und du musst nach allen Zutaten fragen. Die Menschen verwechseln Veganer, Vegetarier und Rohveganer leicht, da es nur ein Wort für alle drei gibt: "Taimetoitlane" (wörtlich Pflanzenfresser).

Wie würdest du die Menschen in Estland beschreiben? Was gefällt dir an Estland am besten? 
Esten sind typisch nordisch: ein bisschen schüchtern und reserviert. Dennoch haben sie keine Komplexe im Bezug auf ihren Körper, da sie nackt in eine gemischte Saune gehen oder in Seen schwimmen. Und wenn du sie erstmal näher kennenlernst, sind sie zuverlässig und vertrauenswürdig.

Hast du einen Lieblingsort in Estland? 
Natürlich Hiiumaa! Ich liebe das Meer, den Wald und den Frieden, den man nirgends in dieser Perfektion finden kann.

Reist du selbst auch gerne? Wenn ja, gibt es ein Reiseerlebnis, was dir sicher noch sehr lange im Gedächtnis bleibt? 
Zahlreiche Hitchhiking Trips in Mittel- und Südeuropa waren sehr besonders. Sich selbst verlieren in Zeitlosigkeit. Einfach an der Straße stehen oder an einem Ort sein, wo ein netter Einheimischer mich hingebracht hat und den ich mit Bus und Bahn nie sehen würde.

Einen Tipp, den du Reisenden in Estland geben möchtest? 
In Tartu ist es ein wenig kompliziert ein komplett veganes Restaurant/Café zu finden. Aber ich würde Asian Chef (http://www.asianchef.ee/1/?lang=en) und Vilde Tervisekohvik (http://www.tervisekohvik.ee/eng/) empfehlen. In Tallinn gibt es verschiedene Orte, aber der beste ist das vegane Restaurant V: (http://veganrestoran.ee/)

Therese (22) aus Estland
(Auf diesem Foto rettet sie gerade einen Frosch,
der geradewegs in Richtung Straße unterwegs war.)

Sonntag, 5. Oktober 2014

Vegan im Land der Fjorde - Norwegen

Dank supergünstiger Flüge hat es mich vor kurzem über ein Wochenende nach Norwegen verschlagen. Da ich allerdings nur drei Tage dort war und mich überwiegend von mitgebrachten Lebensmitteln ernährt habe, kann ich nur begrenzt etwas zum Thema Ernährung in diesem Land sagen.

Der Grund für die vielen mitgebrachten Lebensmittel: Wie so ziemlich jeder weiß, ist Norwegen ein ziemlich teures Land. Dort angekommen (ich war zum ersten Mal in Norwegen) war ich jedoch trotzdem etwas schockiert: 150 Kronen (ca. 18 €) für die billigste Pizza? Seriously? Und auch für das Gemüse und Obst im Supermarkt zahlt man schnell mal ein Vermögen. Habt ihr also nur begrenzt Geld zum Reisen, würde ich euch definitiv empfehlen etwas zum Essen mitzubringen.

Selbst für eine Packung billige Nudeln kann man
schnell 2 € bezahlen

Insbesondere Essen gehen ist wirklich unglaublich teuer und man wird gerne auch mal 40 € für eine normale Hauptmahlzeit in einem durchschnittlichen Restaurant los.

Falls ihr die Möglichkeit zum Selbstkochen habt: Wenigstens Reis und Kokosmilch sind bezahlbar (die Kokosmilch ist seltsamerweise mit 1,50 € sogar ein paar Cent günstiger wie in Lettland), daraus lässt sich also ein schönes Curry machen :)

Insgesamt hatte ich allerdings den Eindruck, dass Veganismus in Norwegen nicht ganz so unbekannt ist. Im Moment vergleiche ich es schnell mit Lettland, da ich hier gerade für ein Auslandssemester wohne. Und dagegen schneidet wohl fast jedes andere europäische Land gut an :) Zurück zum Thema: Natürlich ist der Veganismus in Norwegen nicht so weit wie in Deutschland und die norwegische Küche ist geprägt von Fisch, Fleisch und Milchprodukten. Aber ab und zu begegnen einem vegetarische oder vegane Burger oder andere als vegetarisch/vegan gekennzeichnete Mahlzeiten auf der Speisekarte.

Außerdem gibt es in ganz Norwegen eine Ladenkette mit dem Namen "life", welche ökologische Produkte verkauft. Wer es sich also leisten kann, kann hier auch Tofuwürstchen für ca. 8 € kaufen oder pflanzliche Milch. Es gibt hier eine gute Auswahl mit z. B. sogar Sesammilch. Die Preise sind meist ab 35 Kronen (ca. 4,30 €) aufwärts. Auch Tofutti "Creamy Smooth Morzarella Style Cheese" ist mir für vergleichsweise günstige 44 Kronen (ca. 5,40 €) begegnet. Ansonsten findet man im Sortiment alles querbeet: Von Quinoa über Schokolade, "besondere" Mehlarten (z. Kichererbsenmehl, ...), ... Wenn man genug Geld hat, lässt es sich sicher in Norwegen ganz gut vegan leben.

Und die Landschaft ist wirklich sehr schön. Gerade zu dieser Jahreszeit (Herbst) ist alles sehr farbenfroh und man kann viel Zeit draußen verbringen, da es noch nicht so kalt ist. Ich kann definitiv empfehlen auch mal die Stadt zu verlassen und sich in die Natur zu trauen. Das ist die eigentliche Sehenswürdigkeit Norwegens :)


Einen Tag habe ich allerdings auch in der Landeshauptstadt Oslo verbracht. Die Stadt ist ganz nett, viele nette Straßen mit gemütlich aussehenden Cafés, zum Teil futuristisch wirkende Gebäude und viele verschiedene Museen. Wer sich für (moderne) Architektur interessiert, sollte sich unbedingt die Oper anschauen.

Die Oper von Oslo

Auch ein Besuch im Skulpturenpark kann ganz nett sein (mir persönlich hat es dort allerdings vorallem wegen den Blumen und der Natur gefallen =D). Einen schönen Blick über Oslo hat man in der Nähe der Festung Akershus. Hier einfach bis zum Restaurant hoch laufen und dann die Aussicht genießen!

Skulpturenpark Oslo

Oslo hat außerdem auch einige vegetarische und vegane Restaurants. Hier lohnt sich ein Blick auf happycow.net. Ein alternativer Ort zum Essen ist "Blitz" in der Pilestredet 33E. Wikipedia beschreibt Blitz als anarchistische, kommunistische und soziale junge Gemeinschaft in Oslo. Ich habe gehört, dass ihr hier unter anderem veganes Essen für etwa 30 Kronen (ca. 3,70 €) bekommt. Das ist super, super günstig für Norwegen! Als wir dorthin wollten, war allerdings geschlossene Gesellschaft.

Sicher nicht jedermanns Geschmack: "Blitz" in Oslo

Weiterhin findet ihr auf Facebook einige Gruppen für Veganer in Oslo und auch für Norwegen allgemein. Zum Teil gibt es auch regelmäßige Treffen bei dem ihr den ein oder anderen norwegischen Veganer/Veganerin kennenlernen könnt!

Veganer in Oslo und Umgebung
Vegan in Oslo
Oslo Vegans
Vegan in Tromso
Veganer und Vegetarier in Bergen
Veganer und Vegetarier in Trondheim
Veganer in Norwegen
(Liste unvollständig)

Insgesamt ein sehr schönes Land dessen Besuch sich sicher lohnt... auch wenn es ein teures Vergnügen werden kann!

Sonntag, 7. September 2014

Puglia vegana - Eine vegane Reise durch Apulien

Den Großteil meiner Italienreise habe ich mich in der südöstlichen Region Apulien (auf Italienisch Puglia) aufgehalten, daher möchte ich diesem nochmal einen eigenen Blogbeitrag widmen. Einen Beitrag über Italien allgemein findet ihr hier.

Apulien hat so einige regionale Spezialitäten. Von Tarallini (oder in größerer Ausführung Taralli) hatte ich zum Beispiel vor meiner Reise noch nie gehört, aber dann sind sie mir auf meiner Reise immer wieder begegnet. Egal ob am Souvenirstand oder im Discounter: Überall findet ihr kleine, keksartige Ringe. Tarallini können sowohl süß als auch salzig sein. Dabei gibt es Geschmacksrichtungen wie zum Beispiel Fenchel, Pistazie, Peperoni, Mandel, Erdbeere, Rosmarin, Zwiebel oder auch einfach nur mit Salz. Der Fantasie sind hier allerdings fast keine Grenzen gesetzt ;) Und das Beste: Tarallini sind in der Regel vegan :)

Süßes ist immer gut. Gibt es noch etwas anderes außer süße Tarallini? Im Salento, dem Stiefelabsatz, gibt es das bekannte Cupeta salentina. Hierbei handelt es sich um eine Mandel-Karamell-Mischung. Das Karamell wird aber praktischerweise ohne Butter oder ähnliches gemacht, sondern nur aus Zucker und Wasser.


Wer im Salento ist, sollte sich außerdem unbedingt die schönen Strände anschauen! Das Wasser ist unglaublich klar, türkisblau und einfach wunderschön! Mein Lieblingsstrand war an der Baia Verde bei Gallipoli :) Auch Gallipoli selbst ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Ebenso wie die Städte Otranto und Santa Maria di Leuca.

Die Bucht von Otranto

Falls es euch dann mal in die Provinzhauptstadt Lecce verschlägt, solltet ihr euch auf keinen Fall den veganen Kebab entgehen lassen. Ja, ihr habt richtig gelesen, auch in Italien gibt es ab und zu solche Leckereien :) Die Piadina Salentina ist direkt beim Piazza Sant Oronzo. Wenn ihr Lecce besichtigt, solltet ihr also an diesem mitten in der Stadt gelegenen Platz zwangsläufig vorbeikommen. Bereits von außen könnt ihr lesen, dass es hier veganen Kebab gibt... und nach kurzer Zubereitungszeit dürft ihr ihn dann auch in eurer Hand halten ;)




Außerdem habe ich durch Zufall ein Restaurant mit dem Namen "Vita" in Lecce gefunden, welches viele vegane und vegetarische Optionen hat. Neben einem veganen Hamburger, gibt es auch weniger Fastfood-hafte Hauptgerichte und natürlich immer am besten: Vegane Desserts :) Es ist alles schön als vegan auf der Speisekarte markiert und als ich dort war, hatten sie auch außen an die Restaurant-Tafel dick und fett geschrieben, dass sie vegane Gerichte haben. Leider hatte ich keine Gelegenheit mehr dorthin zu gehen, allerdings sah es ganz nett aus.



Wer im Sommer kommt, braucht allerdings sicher mal etwas Abkühlung. Dazu gibt es einen riesigen Granita-Stand am Beginn der Fußgängerzone (aus Richtung Bahnhof kommend). Granita ist bei uns eher als "Slush-Eis" bekannt. Im Gegensatz zu Deutschland erwarten euch hier allerdings nicht nur drei künstlich schmeckende, gefärbte Getränke: An dem erwähnten Stand gibt es schätzungsweise mehr als 20 Sorten. Dabei ist von den typischen Sorten Zitrone und Kaffee bis zu außergewöhnlicheren Sorten wie zum Beispiel Kiwi alles dabei. Ich empfehle die Sorte mandorla (Mandel), die war wirklich extrem lecker! Granita wird euch übrigens fast überall (zumindest in Süditalien) begegnet. In fast jeder Eisdiele findet ihr neben normalem Eis Granita, mal mehr und mal weniger gut. Der Stand in Lecce ist aber mit Abstand der größte, den ich auf meiner Reise gesehen habe. Und auch geschmacklich konnte er überzeugen, da die Sorten, die ich probiert habe, ganz und gar nicht künstlich geschmeckt haben!

Wie wäre es ansonsten mit einem Eis? Wie in meinem http://www.bindannmalveg.de/blog/vegan-zwischen-pizza-pasta-co/anderen Beitrag über Italien allgemein schon erwähnt, ist das Fruchteis oft vegan und manchmal sieht man sogar Sojaeis. So zum Beispiel in Otranto in einer Gelateria nahe am Meer und mitten in der Fußgängerzone. Hier gab es Soja-Schokoeis und Soja-Nusseis.


Wenn ihr in der Nähe von Bari seid, ist allerdings ein Eis in der Gelateria Caruso in Polignano A Mare Pflicht! Ich glaube so gutes Eis habe ich noch nie in meinem Leben gegessen! Zwar gab es hier kein spezielles Sojaeis, sondern nur Fruchteis, dafür aber in eher ausgefallenen Sorten: "Ananas-Zimt", "Mango-Rosa Pfeffer" und "Avocado-Limette". Daneben gab es noch Zitroneneis und dunkles Schokoladeneis (hier aber aufpassen, da es auch Schokoeis mit Milch gibt!). Für Allergiker dürfte es außerdem sehr nett sein, dass die Zutaten der einzelnen Sorten gut sichtbar aufgehangen sind. Die Waffeln sind ebenfalls vegan. Mein absoluter Favorit: Ananas-Zimt. Sooooo lecker!



Mango-Rosa Pfeffer & Limette-Avocado

Und nicht nur wegen dem Eis lohnt sich ein Besuch in der Stadt Polignano A Mare, die malerisch auf Felsen gebaut ist. Die Stadt ist wunderschön und hat definitiv zu meinem Lieblingsorten auf meiner Reise gehört. Zwar ist sie nicht sonderlich groß, glänzt aber durch Gemütlichkeit und wunderschönen Aussichtspunkten sowie natürlich dem Strand. Polignano liegt an der Bahnstrecke Bari-Lecce und ist von Bari aus in ca. 20 - 30 Minuten erreichbar.

Polignanos Strand

Eine weitere regionale Spezialität ist Frisa (in anderen Teilen Italiens auch Frisella genannt). Dabei handelt es sich um eine Art "Brötchen" was mit Wasser getränkt werden muss. Entgegen meiner Vorstellung wird es dann nicht eklig aufgeweicht, sondern ist immer noch relativ hart. Oft drückt man nun darauf Tomaten aus und fügt Olivenöl und eventuell noch Artischocken hinzu.

Außerdem verfügt Apulien über eine lange Tradition der Bruschetta (sprich "Brusketta"). Bruschetta werden die meisten wahrscheinlich schon kennen (... nur habe ich es zumindest immer falsch ausgesprochen ;)). Für die Unwissenden: Bruschetta ist Brot mit einfachen "Belägen" wie Tomate, Basilikum, Olivenöl oder Knoblauch und eine typisch italienische antipasti (Vorspeise).

Wer weitere lokale Ratschläge sucht, dem sei die Facebook-Gruppe "Veggies - Vegani e Vegetariani della Puglia" empfohlen. Außerdem treffen sich die Mitglieder dieser Gruppe regelmäßig, um zum Beispiel gemeinsam essen zu gehen. Also eine super Gelegenheit, um neue, nette Leute kennenzulernen :)

Adressen
Veganer Kebab Lecce: Piadina Salentina, Via Vito Fazzi 2, Lecce
Vegan-vegetarisches Restaurant Lecce: Vita, Via XXV Luglio 59, Lecce
Veganes Sojaeis Otranto: An der Ecke der Via Rondachi und der Via Basilica, wenn ich mich richtig erinnere
Gelateria Caruso Polignano: Via Matiri di Dogali 3, Polignano A Mare

Veganes Essen in Italien allgemein
Veggies - Vegani e Vegetariani della Puglia (Facebook-Gruppe)

Sonntag, 24. August 2014

Und dann hat er eine Banane aus dem Autofenster gehalten

Ich lese selbst immer lieber persönliche Erlebnisse statt trockene Reiseführer ohne persönliche Note. Daher kam mir einiger Zeit die Idee Interviews für meinen Blog durchzuführen. Diese sollen natürlich passend zum Thema sein, daher stelle ich Fragen an Veganer oder Vegetarier. Zum einen an Veganer, die gerade auf Reisen sind und etwas über ihre Erlebnisse berichten und zum anderen an Veganer, die im Ausland wohnen und somit nochmal einen anderen Blick auf das Land haben.

Beginnen möchte ich heute mit einem Interview mit der deutschen Studentin Alina, die zwei Wochen in Italien verbracht hat und dort verschiedene Orte kennengelernt hat. Vielen lieben Dank Alina :)

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Hallo Alina, schön, dass du dir Zeit für das Interview nimmst :) Du bist zwei Wochen durch Italien gereist und hast viele verschiedene Menschen kennengelernt. Wie würdest du die Italiener beschreiben?
Die Italiener sind sehr offenherzig, total hilfsbereit, gastfreundlich und super lieb :) Es war wirklich toll, überall so herzlich aufgenommen zu werden!

Was gefällt dir an Italien am besten?
Ich liebe die Menschen, die lockere Einstellung der Süditaliener, die Atmosphäre und die atemberaubende Schönheit der Natur!

Hast du einen Lieblingsort in Italien den du anderen Reisenden empfehlen würdest? Wenn ja, welchen und wieso?
Jaaaaa, Polignano hat mir super gut gefallen, ich war wirklich überwältigt von diesem schönen Ort und dem kleinen Steinstrand zwischen den Felsen, den kleinen Höhlen überall und der paradiesischen Landschaft! Außerdem ist der Gargano Nationalpark wirklich wunderschön, man sollte nur mit dem Auto unterwegs sein, weil man zu den schönsten Stellen leider sonst nicht so gut hinkommt. Und Fahrrad fahren kann echt zu einer sportlichen Aktivität werden, die sehr viel Kraft und Ausdauer erfordert =D Auch der Vesuvio mit seiner tollen Aussicht und die Amalfi Wasserfälle sind absolut sehenswert!

Gibt es ein Reiseerlebnis, was dir sicher noch sehr lange im Gedächtnis bleiben wird?
Jaaaa, als wir in Manfredonia ankamen, haben wir so einen süßen Opi nach dem Weg gefragt, weil wir nicht wussten, wie wir vom Bahnhof zur Wohnung unseres Couchsurfing-Gastgebers kommen, und statt uns die ungefähre Richtung zu zeigen, ist er kurzerhand mit uns gekommen und hat uns bis zur Haustür geführt, weil er sichergehen wollte, dass wir den Weg auch finden. Als wir festgestellt haben, dass keiner da ist (weil wir unglücklicherweise bei dem Haus daneben geklopft haben), kam er sogar nochmal zurück und wollte uns weiterhelfen und hat sein Handy ausgepackt, der war richtig lieb :) Und danach auf dem Weg zum Strand hat einer eine Banane aus seinem Autofenster gehalten und sie uns angeboten, wir müssen sehr hungrig ausgesehen haben =D
Das nur stellvertretend für die Hilfsbereitschaft, Fürsorge und Gastfreundlichkeit der Italiener. Mir wird diese ganze Reise mit ihren wunderbaren Erfahrungen, tollen Erlebnissen, der paradiesischen Landschaft und den netten Menschen und Gesprächen immer im Gedächtnis bleiben!

Du bist auch Veganerin. Seit wann bist du Veganerin und wie bist du darauf gekommen?
Ich ernähre mich seit dem 1. Januar 2013 vegan, das war also der gute Vorsatz für's neue Jahr =p Ich habe mich schon länger mit dem Thema beschäftigt, habe auch viel vegan gegessen und gekocht und irgendwann beschlossen, dass ich mich ausschließlich vegan ernähren möchte. Ich wollte im neuen Jahr dann vegan fasten und habe es beibehalten, weil es mir überhaupt nicht schwer fiel und es sich gut angefühlt hat, und jetzt kann ich mir nichts anderes mehr für mich vorstellen.

War es für dich schwer dich auf deiner Reise vegan zu ernähren?
Nein, eigentlich nicht, man muss sich nur an die Siesta Time und die geschlossenen Supermärkte gewöhnen und zur richtigen Zeit einkaufen gehen =D Natürlich war es nicht so leicht, wie zu Hause, weil ich hier schon meine Standard-Produkte kaufe und weiß, in welche Restaurants ich gehen kann, man muss sich da natürlich immer wieder neu dran gewöhnen.

Hast du noch einen Tipp den du anderen veganen Reisenden geben würdest?
Hmmm, kümmert euch rechtzeitig um die Unterkunft =D

Alina (20) reiste 2 Wochen durch Italien

Samstag, 16. August 2014

Vegan zwischen Pizza, Pasta & Co.

Wie ich schon am Rande erwähnt habe, bin ich vor kurzem durch Süditalien gereist. Ich habe viele tolle Leute kennengelernt, wunderschöne Orte gesehen und eine tolle Zeit gehabt. Und natürlich habe ich mich dort auch als Veganer durchgeschlagen und kann ein paar Reisetipps geben :)

Um veganes Essen braucht ihr euch in Italien nicht allzuviele Sorgen machen, da es wirklich viele tolle Sachen gibt. Sowohl im Supermarkt als auch unterwegs.

In Bäckereien (also einer Paneterria oder Panificio) findet man oft Foccacia. Oder ihr schaut gleich in einer Foccaceria. Foccacia ist zwar nicht sonderlich gesund, aber immer seeeeehr lecker, auch wenn sie nur aus sehr simplen Zutaten besteht. Typischerweise besteht eine Foccacia aus einem Hefeteig, der mit Olivenöl bestrichen wird und mit Cocktailtomaten und Kräutern belegt wird. Manchmal haben wir jedoch auch Foccacia mit Paprika, Zuccchini oder Auberginen entdeckt. In Bari zum Beispiel gibt es diese verschiedenen Sorten in der Panificio Milanese di Visaggio Tobia an der Kreuzung der Via Quintino Sella und der Via A. Gimma. Yummy! Häufig findet ihr die Foccacia in kreisrunder Form. Auf Nachfrage ist es problemlos möglich nur un quarto (ein Viertel) zu kaufen.



Pizzarien gibt es natürlich auch zahlreiche. Praktisch: Oft gibt es schon eine vegane Pizza, die auf der Karte steht, nämlich die Pizza Marina. Hier wird nur Tomatensoße, Olivenöl und Knoblauch als Belag verwendet. Besonders oft findet ihr Pizza übrigens in der Heimat der Pizza: Napoli! Wir haben hier auch die bei happycow.net empfohlene Pizzeria da Michele ausgetestet. Die Pizzeria ist bereits über 100 Jahre alt und man kann die Pizzabäcker bei ihrer Arbeit beobachten, das heißt ihr seht wie die Pizza geformt, belegt und im Steinofen gebacken wird. Fazit: Die Pizza hat mir sehr gut geschmeckt, aber die Wartezeit... na ja =/ Wir haben im Restaurant fast 40 Minuten auf unsere Pizza gewartet, während andere Gäste (insbesondere die, die Pizza zum Mitnehmen bestellt haben) vor uns drankamen. Auch die Atmosphäre ist nicht sehr einladend. Daher würde ich demnächst doch eher eine Pizza zum Mitnehmen dort holen. Als wir um ca. 21 Uhr nach draußen sind, haben übrigens schon ca. 20 Leute darauf gewartet einen Platz in der Pizzeria zu bekommen.


Riesige Pizzen für uns :)

Außerdem habt ihr in Italien natürlich auch eine super Auswahl an Gemüse und Obst von der wir in Deutschland nur träumen können. Gemüse & Obst in allen möglichen Farben und Formen! Wir haben das Gemüse meist in den zahlreichen Gemüse- und Obstläden zu einem total günstigen Preis gekauft. Dabei findet man auch das ein oder andere Mal Gemüsesorten, die wir in dieser Form in Deutschland nicht kennen:



Und natürlich warten auch (je nach Jahreszeit) zahlreiche Obstbäume auf euch: Feigen, Birnen, Zitronen, Limetten, Äpfel, ... Ab und zu stehen sie auch in Städten am Straßenrand, sodass ihr euch einfach etwas abpflücken könnt. Die Amalfi-Küste und Sorrento (bei Napoli) sind außerdem bekannt für ihre großen limoni (Zitronen). Und die sind echt unglaublich groß!


Der erste Limettenbaum, den ich in meinem Leben gesehen habe :)

Frische Mandeln oder Kokosnuss bekommt ihr auch oft am Strand angeboten. Süßigkeiten aus dem Supermarkt? In fast jedem Supermarkt sind uns Haferkekse (meist in den Richtungen Klassik, Krokant und Frucht) begegnet, die gut schmecken. Außerdem ist Italien für seine Eisdielen bekannt... und auch hier kommt ihr meistens auf eure Kosten. Ab und zu begegnet einem Sojaeis, ansonsten ist das Fruchteis meistens vegan. Am besten kurz fragen, ob das Eis senza latte (= ohne Milch) ist, dann geben die Verkäufer gerne Auskunft. Weiterhin gibt es wirklich oft Granita (in Deutschland Slush-Eis genannt). Während es das in Deutschland oft nur in künsttlichem Blau oder Rot gibt, gibt es in Italien oft viele verschiedene Sorten... und sie schmecken nicht so künstlich ;) Ich habe mich in Granita di Mandorla verliebt!



Zwar nicht vegan, aber ich fand die Sorte sehr amüsant
-> "Tomatenbrot"

Und auch im Supermarkt ist es nicht schwer Eis zu finden. Zwar ist das Eis relativ teuer (ca. 4 - 5 €), aber das entspricht dem italienischen Durchschnitt, d. h. das vegane Eis ist nicht teurer wie Milcheis. Nur im Supermarkt Penny haben wir leckeres veganes Eis gefunden, was richtig günstig war (2 - 2,50 €). Ansonsten findet ihr oft verschiedene Eissorten von Valsoia. (Welches übrigens ironischerweise in Italien, wo es produziert wird, teurer ist, als in Deutschland, wo es auch ab und zu bei z. B. Edeka verkauft wird.)



Von Valsoia gibt es auch allgemein sehr viele vegane Produkte in Italien. Darunter auch ein sehr leckerer Schokoaufstrich, der mich sehr an Nutella erinnert hat. Auch mit Soja-, Reis- oder Mandelmilch bzw. -sahne werdet ihr keine Probleme haben, das ist leicht zu finden und nicht allzuteuer. Empfehlenswert ist außerdem der supergünstige vegane Frischkäse von Valsoia! Meistens bekommt man ihn für 1,50 - 2,00 €. Ich habe nur die Sorte "natur" probiert, aber uns sind auch mal die Sorten Kräuter und Birne(?!) begegnet. Sojajoghurt werdet ihr wahrscheinlich ebenso einfacher finden als in Deutschland. Oft ebenfalls von Valsoia, aber auch von z. B. Sojasun. Im Supermarkt Carrefour findet ihr außerdem Tofu, ein bisschen Fleischersatz und z. B. Hummus.


Pflanzenmilch-Auswahl in einem kleinen Supermarkt

Veganer Frischkäse

Und welche Orte sind meiner Meinung nach sehenswert? Ich habe mich die meiste Zeit in Apulien aufgehalten: Im Salento (das ist der Stiefelabsatz) habe ich eine Freundin besucht, dann ging es langsam in Richtung Norden über Bari zum Nationalpark Gargano. Am Ende habe ich noch einige Zeit in Kampanien (die Region in und um Neapel) verbracht.

Dabei hat es mir am besten im Salento gefallen (wunderschöne Strände!), aber auch in Polignano A Mare (bei Bari) und am Ende am Vesuvio. (Es ist für mich immer noch irritierend, dass wir im Deutschen die Ortsnamen verändern. Wieso aus Vesusvio Vesuv machen und aus Sorrento Sorrent? Einen Buchstaben mehr können wir doch auch noch sprechen :) Daher versuche ich mal bei den Orginalnamen zu bleiben.) Über Apulien werde ich noch einen weiteren Blogbeitrag schreiben, daher hebe ich mir an dieser Stelle die vielen Worte dafür auf :) Der Vesuvio ist der erste Vulkan, der mir in meinem Leben begegnet ist und man hatte einfach einen spektakulären Ausblick auf Napoli! Das würde ich auf jeden Fall weiterempfehlen! Und Glück gehabt: Ausgebrochen ist er auch nicht, als wir dort herumgelaufen sind ;)

Entspannen am Vesuvio
Einen speziellen Blogbeitrag über die Region Apulien findet ihr hier :)

Adressen
Pizzeria da Michele: Via Cesare Sersale 1, Napoli
Panificio Milanese di Visaggio: An der Kreuzung der Via Quintino Sella und der Via A. Gimma, Bari